Dessau Nachbarschaftspark Gartenstraße
Manchmal sind es die kleinen Dinge, die uns erkennen lassen, was wir eigentlich schon haben.
In diesem Sinne entstand das Konzept des Nachbarschaftsparks Gartenstraße, ein Beteiligungsprojekt eingebettet in die ökologisch wertvollen Flächen von „Städte wagen Wildnis – Vielfalt erleben“, und unter Einbeziehung der vorgefundenen Relikte der ehemaligen Gartenstraße. Die Grundlage bildete eine Bürgerbeteiligung aus dem Jahr 2020 zum Quartierskonzept „Leipziger Tor“, sowie die fortlaufenden Beteiligungen der Bürger:innen gemeinsam mit dem Quartiersmanagement in Form von einem Stammtisch und von Quartiersspaziergängen.
Im Kontext der Planungen Spielplatz Ackerstraße wurden Anwohner:innen und Kinder (Kinderstreifzug, Modellbau) in die Ideenfindung und Spielgeräteauswahl einbezogen. Bei der Gestaltung des Spielplatzes „Fuchsbau“ in der Ackerstraße standen Spielfunktionen für Kinder im Alter von 3 bis 12 Jahren im Vordergrund. Der weitere Umgriff des Nachbarschaftsparks Gartenstraße widmete sich den vielfältigen Nutzer:innengruppen im Gebiet. Aus einem grünen Durchgangsraum entstanden ökologisch und klimatisch wertvolle Rückzugs- und Aneignungsflächen für die Anwohner:innen des Quartiers Leipziger Tor. Angebote für ältere Menschen und Orte für Jugendliche wurden geschaffen und eine Erweiterung des Spielplatzes Ackerstraße, aufgrund der intensiven Nutzung, umgesetzt.
Das Gebiet lässt sich als wilder und trotzdem urbaner Raum beschreiben, dessen Ästhetik von den Relikten der ehemaligen Gartenstraße geprägt wird. Betonflächen, zum Teil aufgebrochen, Wiesen, Gehölzstrukturen und wassergebundenen Wegedecken prägen den Charakter des Ortes, der mit Hilfe von kleinen, sensiblen Eingriffen gestärkt wurde.
Mit der Umsetzung des Spielplatzes „Fuchsbau“ (3.500qm) gelang der erste Schritt zur Identifikation der Bewohner:innen mit ihrem Nachbarschaftspark. Das gesamte Planungsgebiet umfasst einen Gesamtraum von ca. 20.500qm. Im zweiten Schritt entstanden im Freiraum zwischen Ackerstraße und Turmstraße im Sinne eines Nachbarschaftsparks generationenübergreifende Nutzungsangebote. Es zeichnen sich Räume für Kinder, Jugendliche und Senior:innen ab. Einfache Eingriffe in das Erschließungssystem wie die Absenkung eines Bordes und ein zusätzlicher Weg im südlichen Planungsgebiet unterstützen deren Erreichbarkeit und erhöhen die Mobilität der Senior:innen im Quartier.
Mit der Gestaltung der Flächen wird eine vielfältige, nachhaltige und klimaangepasste Freiraumnutzung sichergestellt, deren Qualifizierung im Wesentlichen über Pflanzungen, neue Baumstandorte, die Einordnung von Ausstattungselementen und kleinere Wegebauarbeiten im Süden des Geländes erfolgt. Anknüpfend an die Gestaltungselemente aus dem Rückbau der Gartenstraße wurden Baumgruppen als Sichtmarken sowie Gehölze in den Randbereichen angepflanzt.
Im Bereich AKTIVITÄTSRAUM wurde die Struktur der in der Umgebung vorhandenen Claims (IGA) aufgenommen und es entstand ein Aktivitätsbereich mit Outdoor-Trainingsangeboten. Im Bereich der Turmstraße schließt eine Zone an, die sich als zentraler Aufenthaltsbereich entwickelt und einen Quartiersmittelpunkt bildet. Ein Grillplatz mit Sitzgruppen lädt zu sommerlichen Treffen ein. Die Flächen der Gartenstraße und daran anschließende Grünbereiche im Westen sind als RUHEZONE und MITEINANDER gestaltet und nehmen Tischtennis, Hängematten, Slackline und eine spezielle für Jugendliche und Junggebliebene ausgewählte Möblierung auf. Die Mittelachse der Gartenstraße wird geprägt durch eine Kombination aus vorhandenen Gehölzen, ergänzt durch farbenfrohe, leichte und trockenheitsresistente Staudenmischpflanzungen. Die vorhandenen Betonflächen wurden in die Planung integriert und dienen heute als Aufstellbereiche für Tischtennisplatten, Liegebänke und andere Sitzgelegenheiten. Über den Entdeckerpfad auf der Ostseite, einem informellen Wiesenweg, kann sich durch kleine Interventionen bewegt und gespielt werden. Wiesen ohne konkrete Angebote fördern das kreative Spiel. Im Bereich der Tarzanschaukel wurden in der zweiten Etappe als Ergebnis eines Quartierspaziergangs weitere Spielelemente, wie eine Mikadowippe und Klettersteine integriert. Sitzgelegenheiten für Erwachsene sind im Sinne der freien Entwicklung der Kinder mit ausreichend Abstand, aber mit möglichen Sichtbeziehungen angeordnet. Die Bereiche SITZEN UND SCHWATZEN und die URBANE FARM werden durch eine Bordabsenkung an den restlichen Nachbarschaftspark angeschlossen. Ein neuer Fußweg, in wassergebundener Decke, flankiert von Morus alba (Maulbeerbäumen) und Sitzkombinationen mit Platz für Rollstuhl oder Kinderwagen rundet den Auftakt/Endpunkt des Nachbarschaftsparks ab. Auf diese Weise konnte ein spannender und gewachsener Landschaftsraum in seiner Struktur erhalten und durch „minimalinvasive“ Interventionen Stück für Stück gestärkt, attraktiver gestaltet und klimatisch aufgewertet werden, ein vielfältiger, intensiv genutzter Quartierspark für Jung und Alt.
Projektdaten
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Fläche20.500 m²
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Projektzeitraum2020 - 2022Spielplatz Ackerstraße
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Projektzeitraum2022 - 2024Nachbarschaftspark Gartenstraße
Entwurf:
Matthias Därr
Freier Landschaftsarchitekt
Christoph Därr
Landschaftsarchitekt
Auszeichnungen:
Architekturpreis der Bauhausstadt Dessau 2025
Auszeichnung zum Architekturpreis des Landes Sachsen-Anhalt 2025
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PARADIGMEN
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Bauen im Bestand
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Städte wagen Wildnis
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Klimaanpassung
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Bürger:innenbeteiligung
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Sport






