stadtgottessacker halle (saale)

vergrĂ¶ĂŸern

vergrĂ¶ĂŸernstadt halle / saale
d
enkmalpflegerische zielstellung-
bestandsaufnahme / dokumentation
auftraggeber: stadt halle (saale) grĂŒnflĂ€chenamt
planung : 1995 bis 1998

maßnahmen zu seiner landschaftsarchitektonischen und denkmalpflegerischen erhaltung

Wie kaum ein anderer hallescher Friedhof spiegelt der Stadtgottesacker ein StĂŒck Friedhofkultur der letzten drei Jahrhunderte wieder. Die historische KontinuitĂ€t, das Nebeneinander unterschiedlichster Epochen und Auffassungen zur Gestaltung von Grabstellen mit ihren Grabmalen stellt seinen Wert dar. Werden sonst ĂŒblicherweise zu einem Zeitpunkt angelegte, in Einteilung und Zeitgeschmack gleiche Grabfelder nach einheitlicher Liegefrist abgerĂ€umt und neu belegt, gibt der Stadtgottesacker ein StĂŒck Stadt- und Friedhofsgeschichte wieder.
Trotz aller SchĂ€den stellt die derzeitig erhaltene Substanz an Grabmalen einen sehr wertvollen Fundus fĂŒr zahlreiche Wissenschaftsgebiete, wie Kunstgeschichte, Baugeschichte, Gartendenkmalpflege, Friedhofsgeschichte, Sepulkralkultur, StĂ€dtebau, Germanistik, Stadtgeschichte, UniversitĂ€tsgeschichte, Medizingeschichte, Kirchengeschichte u.a., dar.

Den innerstĂ€dtischen Friedhöfen erwuchs in den letzten Jahrzehnten, neben der genannten und ihrer eigentlichen Funktion als Orte einer wĂŒrdigen Bestattung, eine neue wichtige Aufgabe: die der stĂ€dtischen GrĂŒnanlage mit all ihren sozialen, ökologischen und stadtgestalterischen Funktionen. Aus natĂŒrlichen und rechtlichen GrĂŒnden wiederstehen sie am ehesten konkurrierenden FlĂ€chenansprĂŒchen der StĂ€dte und werden damit oft zu den letzten ökologisch wirksamen GrĂŒnflĂ€chen der stĂ€dtischen VerdichtungsrĂ€ume.

Besonders alte Friedhöfe stellen ein eng verzahntes Mosaik von ökologischen Kleinststandorten dar, die einer in der Regel sehr geringen Störung und keinem so starken Erholungsdruck wie Parkanlagen unterliegen. So sind sie oft die einzigen Oasen der Ruhe und werden hÀufig auch Orte der stillen Erholung.

Als garten- und landschaftsarchitektonische Anlagen werden sie erst seit dem Einzug der Vegetation in unsere Friedhöfe im 18. Jahrhundert betrachtet. FĂŒr den Stadtgottesacker wurde 1818 ein Plan zur erneuten Instandsetzung und vor allem Verschönerung gefaßt, wozu die GrĂŒndung eines fĂŒr diese Aufgaben zustĂ€ndigen Vereins vorgeschlagen wurde. Als Ergebnis dieser Initiative wurden die Hauptwege angelegt, das Rondell in der Mitte geschaffen, mit BĂ€umen umpflanzt und mit RuhebĂ€nken ausgestattet. Weiterhin wurden Reihen im Grabfeld und das Bepflanzen der GrĂ€ber mit Blumen eingefĂŒhrt. Diese GrundzĂŒge der Gestaltung des Grabfeldes sind bis heute erhalten.

Je nach Alter und Material weisen die Grabmale und Einfassungen einen unterschiedlichen Erhaltungszustand auf. Viele sind umgestĂŒrzt bzw. umgestĂŒrzt worden. Teilweise, besonders bei kompakten Steinen, ist nur ein Wiederaufrichten und neu VerdĂŒbeln notwendig. Zusammengesetzte Grabmale, teils von betrĂ€chtlicher Höhe, mit aufgesetzten Urnen und relativ weichen oder auch spröden Gesteinen weisen dagegen meist betrĂ€chtliche SchĂ€den auf, die nur durch eine umfangreiche Rekonstruktion zu beheben sind.

Besonders wichtig war und ist es, beim Sichern von BruchstĂŒcken die Zugehörigkeit festzustellen und sie entsprechend zu archivieren.
Bei zahlreichen sehr alten Steinen droht mittlerweile die Schrift so zu verwittern, daß sie unlesbar wird. Als sehr problematisch erweist sich der Zustand und die Erhaltung der Metallgrabmale. WĂ€hrend solche aus Zink die Zeiten relativ gut ĂŒberstanden haben, hauptsĂ€chlich Beulen, Verbiegungen und Bruchstellen aufweisen, sind die aus Eisen teils nur noch in ihren Grundformen erhalten oder zumindest an den OberflĂ€chen durch Rost stark verĂ€ndert. Gleiches gilt auch fĂŒr eine ganze Reihe schmiedeeiserner Grabeinfassungen.

Um diesem komplizierten Netzwerk von Betrachtungsweisen gerecht zu werden, wurde 1994 begonnen, ein Friedhofspflegewerk fĂŒr den Stadtgottesacker zu erstellen. Aus KostengrĂŒnden liegt es bisher nur als Rahmenzielstellung vor. Abgeleitet von dem Begriff Parkpflegewerk ist es ein Instrument zur Erhaltung und Restaurierung historischer GĂ€rten, Parks, PlĂ€tze und Anlagen sowie auch Friedhöfen usw. Es umfaßt jeweils ein verbindliches Programm fĂŒr die Pflege und Unterhaltung des Objektes im Hinblick auf seine historischen Eigenschaften. Weil es Fehlentwicklungen und Verlusten vorbeugen kann, ist es auch dann nĂŒtzlich, wenn keine akuten Eingriffe anstehen und der Fortbestand nicht akut gefĂ€hrdet ist.

Im Rahmen dieser Arbeit wurde ein neues Grabmalverzeichis erstellt, indem Informationen aus verschiedenen alten Sterberegistern und BĂŒchern ausgewertet, zusammengetragen und unter einer neuen laufenden Nummerierung abgelegt wurden. Parallel dazu sind alle Grabmale in einer Fotodokumentation (1995/96) erfaßt worden. Mit Hilfe eines Planes, auf der Grundlage einer Vermessung des Stadtvermessungsamtes, ist es jetzt möglich, GrabstĂ€tten schnell und sicher anzusprechen, ihre Lage zu bestimmen und den Zustand der Grabmale anhand der dazugehörigen Fotos abzufragen.
Weiterhin wurde die historische Entwicklung des Stadtgottesackers weiter aufgearbeitet, Bewertungen zur Substanz, der kĂŒnstlerischen und kulturhistorischen Bedeutung vorgenommen und der Baumbestand und die Krautschicht dokumentiert. Als Ergebnis wurde ein denkmalpflegerisches Leitkonzept erstellt und Handlungsempfehlungen ausgesprochen.

Dabei wurden folgende GrundsĂ€tze und Ziele fĂŒr die Behandlung der GrabflĂ€che herausgearbeitet:

    Erhaltung aller Grabmale bis zu einem Zeitpunkt, wo sie in Form und OberflÀche nicht mehr als solche erkennbar sind.

    Bestattung auf Grabstellen bei Erhaltung des vorhandenen Grabmals. Sofern es die zur VerfĂŒgung stehenden FlĂ€chen zulassen, ist ein Einordnen neuer Liegeplatten, die in Material, Farbe und OberflĂ€che auf das vorhandene Grabmal abgestimmt sein mĂŒssen, möglich.

    Um, aufgrund der teilweise sehr engen und mehrfachen Belegung seit ca. 400 Jahren, den Denkmalbestand nicht unnötig zu gefÀhrden und die Eingriffe in die Vegetation so gering wie möglich zu halten, sollten nur noch Urnenbestattungen erlaubt werden.

    Die gĂ€rtnerische Pflege wird auf ein notwendiges Maß zur Erhaltung des Friedhofes beschrĂ€nkt bleiben. Die teilweise, besonders in Abteilung I, sehr ausgeprĂ€gte geschlossene Pflanzendecke (Efeu, artenreiche Krautschicht) ist zu erhalten. Weiterhin sind Moose, Flechten und Farne an Mauern, Grabsteinen, Wegebegrenzungssteinen, in Brunnen und Ă€hnlichen Standorten, soweit nicht eine Zerstörung der Denkmalsubstanz zu erkennen ist, zu dulden.

    Innerhalb der Quartiere ist der Bestand an HochstĂ€mmen zurĂŒckzudrĂ€ngen. Dazu wird aller Wildaufwuchs, tote und stark geschĂ€digte BĂ€ume entfernt und keine erneute Bepflanzung mit BĂ€umen innerhalb der Quartiere vorgenommen. Die Linden entlang des Wegekreuzes werden so gut wie möglich erhalten. Eine Nachpflanzung sollte erst erfolgen, wenn die Ausfallquote so hoch ist, daß eine komplette zeitgleiche Neupflanzung möglich ist.

    Die geplante Ausstattung beschrĂ€nkt sich auf die fĂŒr eine Bewirtschaftung des Friedhofs unverzichtbaren Elemente und wird so unauffĂ€llig wie möglich gestaltet sein.

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